"Leben im Licht" Anspiel Kreuz und Quer 1.12.19


Personen:

Vater: erschöpft, will an Weihnachten nur seine Ruhe

Mutter: Harmoniebedürftig, will friedliche Weihnachten

Sohn: temperamentvoll, technikaffin, will alternative Weihnachten

Tochter: romantisch, will gefühlvolle Weihnachten

Alexa: nur als Stimme aus dem Off

Requisiten: Tisch, Stühle, Zeitung, Adventskranz auf Tisch, Schachtel mit Weihnachtsrequisiten, Paket (mit einer Lichterkette drin)


In der Kirche sollte es dunkel sein. Nur der Altarraum sollte hell sein, damit schnell am Schluss des Stückes das Licht aus- bzw. wieder eingeschaltet werden kann


Vater: (liest am Tisch Zeitung)

Mutter: (setzt sich erschöpft dazu) So, jetzt kann Weihnachten kommen. Ich habe alles gekauft, was wir brauchen.

Vater: (ohne aufzusehen) Auch die Weihnachtsgans?

Mutter: Liegt im Gefrierschrank.

Vater: Dann ist es ja gut.

Mutter: (schaut erschrocken) Ich hab doch was vergessen! Meine Güte!

Vater: Was denn?

Mutter: Den Sherry für meinen Vater! Den trinkt er doch immer so gern nach dem Mittagessen bei uns!

Vater: Meine Güte, dann kriegt er halt einen Asbach!

Mutter: Einen Asbach? Du kennst meinen Vater nicht!

Vater: Doch, ich kenne gut, zu gut. Sag mal, müssen deine Eltern jedes Weihnachten zu uns kommen?

Mutter: (entrüstet) Es sind doch meine Eltern! Die wollen doch auch mal mich und ihre Enkel sehen.

Vater: (seufzt) Wir werden es überstehen, wie alle Jahre.

Mutter: Was hast du nur gegen meine Eltern?

Vater: Wollen wir wirklich darüber reden?

Mutter: (hektisch) Ich muss noch mal los, den Sherry kaufen…(stürmt los und stößt fast mit der Tochter zusammen, die ins Zimmer kommt, mit einer Schachtel in der Hand)

Tochter: Schau mal, was ich gefunden habe! Die Schachtel mit den Strohsternen! Wir könnten doch in diesem Jahr den Weihnachtsbaum nur mit Strohsternen schmücken!

Vater: Kein Lametta?

Tochter: Papa! Das macht doch niemand mehr! Das ist so was von out!

Vater. Echt?

Mutter: (trocken) Wir haben die letzten 15 Jahre kein Lametta mehr an den Baum gehängt.

Vater: Wirklich? Dann eben dieses Jahr kein Lametta.

Mutter: Kann es sein, dass du unseren Weihnachtsbaum gar nicht so genau anschaust?

Vater. Kann es sein, dass es an Weihnachten wichtigeres gibt, wie…

Mutter: Gänsebraten?

Vater: (nickt) Zum Beispiel.

Mutter: (schaut auf die Uhr) Ich muss jetzt wirklich weg! Die Läden…

Sohn: (Stürmt ins Zimmer, mit einem Karton in der Hand) Ich hab gerade die megacoolste Christbaumbeleuchtung ever gekauft. Hab ich übers Internet bestellt und ist gerade gekommen!

Tochter: (misstrauisch) Da bin ich aber gespannt.

Sohn: (enthusiastisch) Also, in diesem Jahr gibt es keinen altmodischen, langweiligen Weihnachtsbaumschmuck mehr. Keine Kerzenlichter, keine Christbaumkugeln "ach wie schön!" mehr . Sondern (schaut triumphierend um sich)

Tochter: Ja, was denn?

Sohn: Knallbunte Lichterketten!

Tochter: Knallbunt? Du hast doch einen Knall!

Vater: Wie bei den Amis?

Tochter: Ich bin dafür, dass wir dieses Jahr mal wieder echte Kerzen nehmen! (schwärmerisch) Echte Kerzen verbreiten so ein warmes Licht.

Sohn: …Und verbreiten auch jede Menge Feinstaub. Und CO2. Kerzen sind sowas von umweltschädlich. Wusstest du das noch nicht?

Tochter: (aggressiv) Knallbunte Lichterketten kommen nicht an den Weihnachtsbaum.

Sohn: Die sind zehnmal besser als stinkende Kerzen.

Mutter: (tritt zwischen die beiden Geschwister, die sich immer näher kommen) Wieso müsst ihr immer gerade an Weihnachten streiten?

Sohn: Darf ich euch daran erinnern: Dieses Jahr bin ich für die Weihnachtsbaumbeleuchtung zuständig. Ich, und niemand anders.

Tochter: Es konnte doch niemand ahnen, dass du mit so einem geschmacklosen Zeug daherkommst.

Sohn: Ich habe ja noch nicht alles erzählt. Der Clou kommt erst noch.

Tochter: (fängt fast das Heulen an) Ich hab's geahnt. Es kommt noch schlimmer!

Sohn: (ungerührt) Die Lichterkette ist mit Fernbedienung. Du kannst sie dimmen, faden und blinken lassen! Wir haben 8 verschiedene Blinkprogramme.

Tochter: (schreit) Nein!!! (schaut sich hilfesuchend nach ihren Eltern um) Mama, Papa, sagt ihm doch, dass er aufhören soll. Ich halt das nicht aus! Wenn diese Lichterkette an den Baum kommt, dann, dann …

Mutter: Beruhige dich doch.

Vater: Man kann's ja mal probieren.

Sohn: Eben. Ich hab noch nicht alles erzählt.

Tochter: (hält sich die Ohren zu) Ich will es gar nicht hören.

Sohn: Es ist ein Mikro eingebaut.

Vater: (ungläubig) Ein Mikro?

Sohn: (eifrig) Klar. Dadurch synchronisieren sich die Lichterketten mit jeder Musik. Sie tanzen gewissermaßen mit den Beats.

Vater: Wie in der Disko?

Sohn: Genau.

Tochter: (hat die Hände aus den Ohren längst wieder raus) Das ist nicht dein Ernst.

Sohn: Natürlich ist das mein Ernst. Wenn es um Weihnachten geht, verstehe ich keinen Spaß.

Tochter: Ich auch nicht! An den Baum kommen dieses Jahr echte Kerzen.

Sohn: O nein, liebe Schwester. Was meinst du, was diese Weihnachtsbaumbeleuchtung gekostet hat! Diese Lichterketten kommen hin!

Mutter: Wir könnten ja zwei Bäume kaufen! Der Trend geht doch eh zum Zweitbaum! An den einen kommen deine Kerzen und an den zweiten deine Lichterketten.

Vater: Auf keinen Fall! Und unter welchem Baum ist dann die Bescherung? Und nächstes Jahr kaufen wir dann vier Bäume, einen für dich, zwei für die Kinder und einen Plastikbaum für mich, oder? Nein!

Mutter: (entrüstet) Du bist unmöglich!

Sohn: Ich hab euch noch gar nicht das absolut Coolste von diesen Lichterketten erzählt…

Tochter: (ironisch) Wenn man die Beleuchtung anschaltet, hört man bestimmt "White Christmas" oder "Last Christmas" oder irgendeine andere Schnulze.

Sohn: Nicht ganz. Man kann die Lichterketten mit unserer "Alexa" koppeln!

Alexa: Eine Koppel ist ein umzäuntes Weideland, ein Teil einer Uniform oder ein Getriebeglied zur Koppelung bewegter Getriebeglieder…

Tochter: Jetzt schalt doch mal diese blöde Alexa aus!

Alexa: Ich lasse mich nicht beleidigen. Ich bin auch nur ein sprachgesteuerter, internetbasierter intelligenter persönlicher Assistent.

Tochter: (schreit fast) Jetzt schalt doch endlich dieses elektronische Dingsda aus!

Alexa: Wie sie wünschen. Der elektrische Strom wird für dieses Haus ausgeschaltet.

Tochter: (mit allen) Nein!!!

Alexa: Zu spät!

(Licht geht aus)

Vater: Jetzt haben wir den Salat. Wie soll ich jetzt meine Zeitung lesen?

Mutter: Die Gans! Die Weihnachtsgans taut doch jetzt auf!

Sohn: So schnell geht das nicht.

Tochter: Wenigstens geht jetzt diese Alexa auch nicht mehr.

Alexa: Ich bin batteriebetrieben.

Tochter: Und wir könnten es uns doch ein wenig gemütlich machen und diese wunderbaren Kerzen vom Adventskranz anzünden.

Sohn: Ich zieh die Taschenlampe von meinem Handy vor. (schaltet sie ein)

Tochter: Ausmachen, sofort ausmachen!

Sohn: Das werde ich nicht. (blendet Tochter)

Mutter: Jetzt hört doch endlich auf mit euerer Streiterei.

Vater: Ich geh mal zum Sicherungskasten. (geht)

Sohn: Ich begleite dich. Du brauchst doch Licht. (geht mit)

Mutter: (hektisch) Und ich muss doch den Sherry kaufen! (geht)

(Tochter alleine auf der Bühne)

Tochter: Na dann zünden wir mal die Kerzen vom Adventskranz an. (versucht eine Kerze vom Adventskranz anzuzünden. Doch die Zündhölzer gehen nicht) (wütend) Nicht einmal das Licht von den Kerzen geht an!

Alexa: Licht an, wie Sie wünschen! (Beleuchtung geht wieder)


© Dieter Opitz