"Leben im Licht" - Kreuz & Quer vom 01.12.19, Jesaja 60,1

Wir hören ein Wort aus Jesaja 60 Vers 1 und 2: "Mach dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt".


(Licht im Gemeindebereich wird angemacht).

Ich weiß nicht, ob jetzt noch Alexa ihre Hand im Spiel hat, weil hier bei euch das Licht angegangen ist. Wenn es draußen dunkel ist, dann wenigsten drinnen hell ist. Gerade im Advent oder an Weihnachten finde ich das schön. Aber was nützt das schönste Kerzenlicht oder elektrische Licht, wenn es bei uns dunkel bleibt.

Bei der Familie von vorhin war es ja nicht gerade hell. Eine gestresste Mutter, ein gleichgültiger Vater, streitende Geschwister haben nicht gerade eine warme, freundliche und helle Atmosphäre verbreitet. Das ist eine Atmosphäre, die wünscht sich auch Gott nicht.

Und ihr, was ihr euch?

Habt ihr einen "Wunschzettel" für die Weihnachtszeit? Ich meine jetzt nicht, ob ihr euch bestimmte Geschenke für Weihnachten wünscht, die euch eure Verwandten oder gute Freunde erfüllen sollen. Sondern ich meine: Habt ihr bestimmte Erwartungen an die Weihnachtszeit oder genauer gesagt Adventszeit?

Ihr weiß nicht, welche Antworten ihr auf diese Frage geben würdet. Mehr Zeit für die Familie? Mal zur Ruhe kommen? Mal sich Zeit fürs Singen von Advents- und Weihnachtsliedern nehmen? Ich weiß nicht, welche Antworten auf eurem "Wunschzettel" stehen würden, oder überhaupt keine. Aber ich weiß die Antwort auf dem "Wunschzettel" Gottes. Da steht der Satz drauf, den ich vorhin vorgelesen haben: "Mache dich auf, werde licht!"

Oder anders ausgedrückt: Komm heraus aus deiner Dunkelheit und lebe im Licht!

Wenn die Bibel von "Dunkelheit" redet, meint sie ein Leben ohne Gott. Dunkel ist es dort, wo er nicht vorkommt, wo nicht mit ihm gerechnet wird, wo man gegen seinen Willen lebt oder ohne nach diesem Willen zu fragen.

Wir leben in so einem Land. Die Zahl der Christen nimmt von Jahr zu Jahr ab. Je größer unsere Städte sind, desto größer ist auch in ihnen der Unglaube, die Gottlosigkeit, Kriminalität und Einsamkeit zu hause. Dafür steigt die Zahl der Menschen, für die der Glaube an Jesus keine Rolle mehr spielt, die nur noch an das glauben, was sie sehen, oder irgendeinem Aberglauben huldigen.

Auch im Leben von denen, die Jesus kennen, kann es dunkel aussehen. Von der Seelsorge her weiß ich: Es gibt so viel Kummer und Sorgen auch unter denen, die als Christen leben wollen. Es können chronische körperliche oder seelische Krankheiten sein, die sie zermürben, Probleme im Berufsleben, Schwierigkeiten im mitmenschlichen Bereich und auch kaputte Ehen. Probleme auch im Leben von vielen jungen Menschen. So viel Dunkelheit auch im Leben von Christen. Und es steckt auch tief in ihnen selber Zorn, Bitterkeit und Unversöhnlichkeit, Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit dem Mitmenschen gegenüber, auch gegenüber dem, der mit ihnen im gleichen Haus wohnt oder im gleichen Zimmer schläft, Hochmut und Überheblichkeit, ehebrecherische Gedanken, Blicke und Handlungen, Verzagtheit, Sorgen, Zweifel und noch viel mehr machen ihr Leben dunkel.

Kennst du das eine oder andere Aufgezählte auch? Dann darfst du guter Hoffnung sein. Wer die Dunkelheit in seinem Leben erkannt hat und darunter leidet, in dem kann es hell werden.

Schade wäre es, wenn du es nicht kennst, genauer gesagt, wenn du es leugnest, wenn du sagst: „Das alles gibt es nicht in meinem Leben, oder darf es in meinem Leben nicht geben. Wenn ich glaube, dann ist ja alles in Ordnung.“ Solche Sätze sind fromme Lügen, die wir allzu gerne glauben. Viel ehrlicher ist es, zuzugeben: „O ja, es gibt so viel Dunkles auch in meinem Leben.“

"Mache dich auf und werde Licht!" So ruft es uns Gott durch den Propheten Jesaja zu. Aber wie sollen wir das tun? Wichtig ist die Begründung, die Jesaja selber liefert: Denn dein Licht kommt. So hat er es vorhergesehen. Das Licht Gottes wird kommen. Und es kam ja einer, der von sich gesagt hat: "Ich bin das Licht der Welt", Jesus Christus.

Da wo Jesus hinkam, wurde es hell. Da wich die Macht der Dunkelheit. Es wurden Menschen gesund, Hoffnungslose fassten neue Hoffnung, Traurige wurden wieder fröhlich, Gottlose und Zweifelnde konnten glauben, das Leben von Egoisten dreht sich nun nicht mehr um sie selber sondern um Gott und ihre Mitmenschen.

So geschieht es bis auf den heutigen Tag. So kann es auch in deinem Leben geschehen, nicht nur einmal sondern immer wieder. Dort, wo Menschen in Verbindung mit dem Licht der Welt, mit Jesus kommen, wird es hell.

Licht wird es in unserem Leben nicht dadurch, indem wir uns selber bemühen, licht zu werden. Hell wird es in unserer Dunkelheit , wenn wir uns dem Licht der Welt, Jesus Christus, zuwenden, wenn wir uns von seinem Licht bescheinen lassen, das von seinem Wort ausgeht. Das Dunkle in unserem Leben hindert Jesus, das Licht der Welt, nicht, hell aufzustrahlen. Es ist sogar so: Je dunkler es bei uns und in uns aussieht, desto strahlender kommt das Licht Gottes zur Geltung.

Als Verdeutlichung soll uns eine Show aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts dienen. Für mich unvergesslich der Spruch, den der Showmaster in seiner Sendung immer wieder gebrauchte. Wenn er einen Star ankündigte, so sagte er: „Licht aus – Spot an!“ Das Licht ging aus. Allein der Lichtstrahl des einen Spotscheinwerfers fiel auf den Stargast der Sendung und stellte ihn so in den optischen Mittelpunkt. So war nichts mehr zu sehen als alleine der Stargast.

Mach es doch genauso wie es dieser Show angekündigt wurde: Licht aus, das Licht der eigenen Frömmigkeit, der eigenen Tugenden und guten Seiten. Lass es ruhig dunkel sein in deinem Leben. Und dann richte den Spot auf Jesus. Das Licht, das du dann siehst, ist hell genug, um auch dein Leben hell zu machen.

Beschäftige dich nicht mit den dunklen Seiten deines Lebens. Sondern wende dich dem Licht zu, das von Jesus ausgeht. Glaube seiner vergebenden Liebe, die auch für dich da ist. Mach dich auf, steht hier bei Jesaja.

„Mache dich auf!“ Man kann auch übersetzen: „Steh auf!“ Steh auf aus allem Jammern, allem Verzagen, allem Unglauben, allem Zweifel. Glaub es: Du bist geliebt von Gott. Das Licht seiner Liebe scheint auch über deinem Leben.

Steh auf! Schenke dem vergebenden Wort der Liebe Jesu Glauben! Dann stehst du in Verbindung mit dem Licht der Welt. Dann wird es auch in deinem Leben hell. Wenn du das Wort Gottes bewegst, das heißt darüber nachdenkst und es nicht vergisst, dann bleibt es bei dir auch hell. Die Finsternis in deinem Leben muss weichen, alle Not, aller Kummer verschwinden. Wer Gottes Wort auf sich persönlich bezieht, der wird auch erfahren, wie es sein Leben verändert und immer heller macht.

Mach dich auf! Raff dich auf! Steh auf! Bleib nicht liegen! Das ist so ein Weckruf, der uns sagen will: Es ist nicht mehr dunkel. Es ist hell. Die Sonne scheint. Zieh die Jalousien deines Unglaubens hoch. Dann siehst du es: Jesus, das Licht der Welt, ist da. Lass ihn doch in dein Leben hinein. Du musst dein Leben nicht hell machen. Das tut er, Jesus.

Dunkelheit drückt aufs Gemüt. Das geht wohl jedem so, mehr oder weniger. Vor einigen Jahren war ich mit einer Reisegruppe in Israel. Am See Genezareth im Kloster Tabgha lernten wir einen deutschen Mönch kennen. In Deutschland litt er regelmäßig im Winter unter Depressionen. Sein Orden schickte ihn in ein Kloster im Heiligen Land. Dort, im sonnendurchfluteten Israel, ging es ihm wesentlich besser. Das Licht tat seiner Seele gut.

Ohne Licht gibt es kein Leben. Ohne Licht verkümmert sogar unsere Seele. Und uns allen tut es gut, wenn wir eine Lichttherapie der besonderen Art machen würden. Damit meine ich, wenn wir uns dem heilenden, wohltuenden Licht Jesu aussetzen würden.

Von Jesus geht bis heute ein wunderbares Licht aus. Wir können Jesus natürlich nicht mehr unmittelbar sehen. Aber wir können seine Worte hören. Und seine Worte hinterlassen heute noch einen unauslöschlichen Eindruck von der wunderbaren Person, die hinter ihnen steht. In den Jesusworten ist Licht. Und indem er zu uns spricht, fällt Licht auf unseren Lebensweg, wie es in den Psalmen heißt: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg."

Mach gerade jetzt in dieser dunklen Jahreszeit diese Lichttherapie: Glaube den wunderbaren Worten Jesu, von denen Licht ausgeht. Glaube, dass er deine Schuld vergibt, immer wieder, wenn du zu ihm kommst. Glaube, dass er bei dir ist, um dir zu helfen. Glaube, dass ihm nichts unmöglich ist. In verzwickten und verworrenen Situationen kennt er den Ausweg. Glaube, dass er dir Kraft und neue Freude für dein Leben und deine Aufgaben schenkt.

Mach dich auf, glaube, dass das Licht Jesu dein Leben hell macht und verändert. Dann kannst du auch bestimmte Schritte des Gehorsams tun, die in deinem Leben dran sind.

Ich möchte ein paar Beispiele nennen: Vergib dem, der dir weh getan hat. Warte nicht darauf, bis er zu dir kommt. Tu den ersten Schritt! Oder: Bekenne endlich deine Schuld und sprich dich bei einem Seelsorger aus! Oder: Bring das in Ordnung, was du in deinem Leben falsch gemacht hast. Bring das Wort: "Entschuldigung!" über die Lippen. Oder: Sag endlich einmal "Nein!", wenn du in Versuchung gerätst, eine bestimmte Sünde zu tun. Oder umgedreht: Sag "Ja!" zu einer Aufgabe, übernimm einen Dienst für Jesus, für seine Gemeinde, und sei nicht zu faul dazu.

Vielleicht sagst du jetzt: Das schaff ich eben nicht. Ich bring es nicht fertig, ganz für Jesus da zu sein. Ich schaff es nicht, der Sünde zu widerstehen.

Das mag ja so sein. Aber das macht letzten Endes nichts aus. Das ist keine Entschuldigung dafür, das nicht zu tun, was Gott von uns haben will. Denn Gott kennt ja auch unsere Schwachheit. Er verlangt von uns nichts Unmögliches sondern er gibt uns das, was er von uns fordert. Und dann kannst du über deinen Schatten springen. Es ist eine Sache des Vertrauens. Wer gehorsam Schritte des Glaubens geht, wird merken: Ich kann es.

Einen Petrus forderte Jesus auf, über das Wasser zu gehen. Er schaffte es, solange er vertraute. Einem Gelähmten rief er zu: "Steh auf, nimm dein Bett und geh!" Er konnte es tun. Einem toten Lazarus befahl Jesus: "Komm heraus!" Und er ging aus dem Grab heraus.

Und wenn du dir so kraftlos vorkommst, so lahm in deinem Glauben, toter als tot in deinem Gehorsam: Vertrau den Zusagen Jesu. Sie sind keine Lügen. Sondern in ihnen steckt Kraft. Sie bewirken selber das, was sie sagen.

Wir brauchen nichts von uns selber erwarten, aber wir dürfen alles von Jesus erwarten, wir dürfen mit Ihm, seiner Kraft, seiner Hilfe, seinem Eingreifen rechnen. Wir dürfen ihn bitten: Herr, hilf mir, ich kann es nicht, mach du es bei mir.

Klar, ohne mich könnt ihr nichts tun, hat Jesus einmal gesagt. Aber das heißt ja positiv formuliert: Mit mir könnt ihr alles tun! Auch, dass du Licht in das Leben eines anderen Menschen bringst.

Licht strahlt immer aus. Es kann nicht, wie Jesus einmal in der Bergpredigt gesagt hat, unter ein Behältnis gestellt werden. Dort würde es nur ersticken. Das heißt, wir können als Christen nicht nur danach trachten, dass es uns selber gut geht. Sondern das, was wir an Liebe Gottes zu uns erfahren haben, sollen und können wir auch weiter geben.

Wo Menschen auf der Schattenseite des Lebens stehen oder irgendwie im Dunkeln sind, kann einer, der mit Jesus leben will, nicht achtlos vorübergehen. Sondern dann ist es seine Aufgabe, Licht in das Leben dieses Menschen zu bringen. Keiner braucht zu denken: Auf mich, auf mein Licht kommt es nicht an. Licht vertreibt immer Dunkelheit. Wenn wir in einem dunklen Zimmer nur eine Kerze anzünden, dann ist es schon heller geworden. Eine kleine Freundlichkeit, ein kleines Lächeln, ein Mut machendes Wort, im Namen Jesu getan, ist nie sinnlos, überflüssig, sondern bringt Licht in eine dunkle Welt.

Du kannst kranke Menschen oder alte und einsame Menschen besuchen. Gerade sie hungern oft nach einem guten Wort, nach einer Hand, die man ihnen reicht oder nach einem Lächeln. Das sind kleine Lichtstrahlen, die das Leben eines anderen Menschen schon ein wenig heller machen.

Kleine Lichtstrahlen, die aber das große Licht von Jesus widerspiegeln. Menschlich gesehen unscheinbare Handlungen, die aber etwas Göttliches in das Leben eines Menschen hineinbringen. Dazu sind wir auf dieser Welt da, dass von uns etwas Helles, etwas Wohltuendes ausgeht. Auch von dir.


Amen

© 2019 Dieter Opitz