"Wer tauscht, gewinnt" - Kreuz & Quer vom 09.04.2020, Matthäus 26,15-26

Liebe Gemeinde!

Wer tauscht, gewinnt! Das traf auf jeden Fall auf einen zu, von dem ihr jetzt hören werdet. Er hat alles gewonnen, weil einer mit ihm getauscht hat. Lassen wir mal die erzählen, die gekannt haben. Beginnen wir mit seinem Vater/seiner Mutter:

Vater/Mutter:

Also, er war als Kind schon aufbrausend, ja aggressiv. Wenn man ihn ungerecht behandelte, oder wenn er dachte, dass man ihn ungerecht behandelte, wurde er schnell wütend. Da konnte man ihn kaum bändigen.

Als er erwachsen wurde, da entdeckte er die Politik. Und er merkte: Die Welt ist so ungerecht. Da gab es Schwache und Starke. Und die Starken haben die Schwachen ausgebeutet. So ist das in dem Land, in dem wir leben. Wir gehörten zu den Schwachen. Aber mein Sohn wollte sich das nicht gefallen lassen.

Da geriet er an Leute, die wollten die Welt verändern. Mit Gewalt. Anders, so dachten sie, ging es nicht. Mein Sohn wurde ein Terrorist. Dann kam es, wie es kommen musste. Die Terroristen haben Soldaten aufgelauert. Es gab Tote. Mein Sohn war mit dabei. Auch er hat einen der Soldaten umgebracht. Aus einem Hinterhalt.

Natürlich haute er ab. Aber man hat ihn schnell erwischt. Er kam ins Gefängnis. Der Richter machte sehr kurzen Prozess mit ihm: Nicht lebenslänglich, sondern Todeszelle. Aus, vorbei. Am nächsten Tag sollte die Hinrichtung sein. Als ich das hörte, dachte ich: Da kann doch nicht wahr sein! Der eigene Sohn wird hingerichtet!

Ich weiß nicht, was er in diesen Stunden bis zu seiner geplanten Hinrichtung gedacht hat: Ob er sich immer noch als Opfer sah? Ob er dachte: Ich hab doch Recht gehabt! Man muss doch was verändern! Oder ob er dachte: Das habe ich verdient. Schließlich habe ich jemand umgebracht. Auf jedem Fall war ihm klar: Ich habe nicht mehr lange zu leben, nur noch ein paar Stunden?



Soldat:

Am besten erzähle ich jetzt weiter. Ich sollte ihn zusammen mit meinem Kameraden aus der Todeszelle holen und ihn dorthin bringen, wo man ihn hinrichten sollte. Das habe ich gerne gemacht. Schließlich hatte der Typ einen von meinen Kameraden umgebracht. Der Kerl schaute mich voller Hass an. Aber ich merkte auch, dass er furchtbare Angst hatte. ?So, du Mistkerl?, sagte ich zu ihm. ?Jetzt geht es für dich zu Ende. Aber vorher machen wir noch eine kleine Show. Der Richter hat sich was ganz Besonderes für dich überlegt. Schließlich ist Morgen Feiertag.? Mein Kumpel und ich grinsten ihn an. Der Typ sagte nur: ?Lasst mich einfach alle in Ruhe.? Dann holten wir ihn aus seiner Einzelzelle raus ? rein in den Gerichtssaal. Alles gerammelt voll. Alle schrien durcheinander. Der Typ schaut sich ängstlich um. Wahrscheinlich dachte er: Wollen die mich hier schon lynchen?

Dann kam der Richter rein. Feine Klamotten wie immer. Frisch rasiert. Er hatte die Macht. Aber irgendwie merkte ich: Auch der hatte Angst.



Richter:

Ja, ich muss zugeben. Ich hatte tatsächlich Angst. So viele Leute. Damit hatte ich nicht gerechnet. Und alle irgendwie aggressiv. Es war die Hölle los. Ich musste sie beruhigen. Ich hatte einen genialen Gedanken, wie ich meinte. Und ich sagte: ?Wie es meiner netten Art entspricht, hab ich mir heute etwas Besonderes überlegt. Ich geb einen Gefangenen frei. Weil Morgen Feiertag ist. Bin ich nicht nett?? Neben mir stand ein harmloser Typ. Der hatte nie seinem Leben einer Fliege was zuleide getan. Ganz im Gegenteil. Der hatte nur Gutes getan. Vielleicht zu viel Gutes. Auf jeden Fall wollten ein paar Mächtige ihn aus dem Weg räumen. Ich sollte ihn dafür sorgen, dass er hingerichtet wird. So ein Quatsch. Ich hab noch nie so einen Menschen getroffen wie ihn. Der war anders alle anderen. Keine Angst, kein Hass, nur Liebe. Klingt vielleicht seltsam aus dem Munde eines Richters. Aber es war wirklich so. Von dem ging was aus. Was ganz Besonderes. Er hat von sich gesagt, er sei ein König. War natürlich Unsinn. Der war kein König. Aber er hat tatsächlich wie ein König auf mich gewirkt. Jesus von Nazareth, König der Juden. Das hätte schon gepasst.

Auf jeden Fall hatte er nicht verdient, zu sterben. Ich dachte: Wenn ich den Leuten sage: Wen soll ich hinrichten lassen: Diesen Jesus von Nazareth oder den anderen Jesus, - Ja, der andere hieß tatsächlich auch Jesus, Jesus Barabbas. ? dann werden die sicher schreien: Barabbas! Denn der war ja so eine miese, kleine Kröte, ein feiger Mörder, kein Held. Und dieser Jesus, der war ja so beliebt: Der hatte doch nur Gutes getan. Dieser Barabbas hatte gegen Jesus keine Chance. Da war ich mir sicher. Gegen die Liebe hat doch keiner eine Chance. Die bringt man doch nicht um. Aber dieser Barabbas hatte den Tod verdient. Absolut.

Da machte ich also diesen Leuten im Gerichtssaal einen Vorschlag: Wen soll ich freilassen? Jesus oder Barabbas? Da schrien die wie verrückt: ?Barabbas!? Ich war geschockt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich sah Barabbas an. Der war auch total überrascht. Ja, ich bin mir sicher, der war auch geschockt. Nur Jesus stand ganz ruhig da. Als ob er damit gerechnet hätte. Ich fragte noch einmal: ?Was soll ich dann mit diesem Jesus machen?? ?Kreuzige ihn!? schrien sie. ?Kreuzige ihn!? Die haben sich gar nicht mehr beruhigt. Ich hab nur gedacht: Die sind doch nicht normal! Ich schreie nochmal in die Menge: ?Ist das euer Ernst?? ?Ja, ans Kreuz mit ihm!?

Da blieb mir nichts Anderes übrig. Ich musste mich der Menge beugen. ?OK. Kreuzigung, Tod für Jesus von Nazareth. Und du, Jesus Barabbas, du kannst gehen. Da ist die Tür. Du hast Glück gehabt, so viel Glück. Gnade vor Recht. Du hast es nicht verdient. Aber weg mit dir!? Der Barabbas läuft los, wie betäubt. Der konnte sein Glück gar nicht fassen. Ich schrie ihm noch hinterher. Ich konnte nicht anders: ?Dreh dich noch mal um und schau diesem Jesus ins Gesicht! Der stirbt jetzt ? für dich!? Und der Barabbas schaut ihn tatsächlich an. Der hat sich geschämt. Da bin ich mir sicher. Und Jesus schaut ihn auch an, voller Liebe! Als ob er gern für diesen Dreckskerl sterben wollte! Ich konnte es nicht fassen.



Soldat:

Ich musste diesem Barabbas die Fesseln abnehmen. Liebend gern hätte ich ihm das Kreuz auf seine Schultern gelegt. Aber das musste ja jetzt ein anderer tragen. Dieser Barabbas wurde nicht gekreuzigt. Dafür dieser Jesus. Unfassbar.

Barabbas ging durch die Menge nach draußen. Die Leute schlagen ihm auf die Schultern, wie einem Helden. Dabei war er ein gemeiner Mörder. Ich glaube nicht, dass er realisiert hat, was da geschah. Der hat nur vor sich hingestarrt. Er hat sicher gedacht: ?Das ist doch alles nur ein Traum. Das kann doch nicht wahr sein.? Er war frei. Die Fesseln trug nicht mehr er, sondern ein anderer. Er durfte leben. Dafür musste ein anderer sterben.



Matthäus:

Mein Name ist Matthäus. Ich habe diese merkwürdige Geschichte von Barabbas aufgeschrieben, Sie steht in meinem Evangelium im 27. Kapitel, Vers 15 bis 26 und enthält noch ein paar Einzelheiten, die bisher noch nicht erzählt wurden:

15 Der Statthalter begnadigte jedes Jahr zum Passahfest einen Gefangenen, den sich das Volk selbst auswählen durfte. 16 In diesem Jahr saß ein berüchtigter Verbrecher im Gefängnis. Er hieß Barabbas[2]. 17 Als sich nun die Menschenmenge vor dem Haus von Pilatus versammelt hatte, fragte er sie: »Wen soll ich diesmal begnadigen? Barabbas oder Jesus, den manche für den Christus halten?« 18 Denn Pilatus wusste genau, dass das Verfahren gegen Jesus nur aus Neid angezettelt worden war. 19 Während Pilatus die Gerichtsverhandlung leitete, ließ ihm seine Frau eine Nachricht zukommen: »Unternimm nichts gegen diesen Mann. Er ist unschuldig! Ich habe seinetwegen in der letzten Nacht einen furchtbaren Traum gehabt.« 20 Inzwischen aber hatten die obersten Priester und die führenden Männer des Volkes die Menge aufgewiegelt. Sie sollten von Pilatus verlangen, Barabbas zu begnadigen und Jesus umzubringen. 21 Als der Statthalter nun seine Frage wiederholte: »Wen von den beiden soll ich freilassen?«, schrie die Menge: »Barabbas!« 22 »Und was soll mit Jesus geschehen, dem angeblichen Christus?« Da riefen sie alle: »Ans Kreuz mit ihm!« 23 »Was für ein Verbrechen hat er denn begangen?«, fragte Pilatus. Doch die Menge schrie immer lauter: »Ans Kreuz mit ihm!« 24 Als Pilatus sah, dass er so nichts erreichte und der Tumult nur immer größer wurde, ließ er eine Schüssel mit Wasser bringen. Für alle sichtbar wusch er sich die Hände und sagte: »Ich bin nicht schuld daran, wenn das Blut dieses Menschen vergossen wird. Die Verantwortung dafür tragt ihr!« 25 Die Menge erwiderte: »Ja, wir und unsere Kinder, wir tragen die Folgen!«[3] 26 Da gab Pilatus ihnen Barabbas frei. Jesus ließ er auspeitschen und zur Kreuzigung abführen.



Lied/Instrumental:

Soldaten treiben ihren Spott...



Ihr Lieben!

Eine merkwürdige Geschichte, die wir eben gehört haben. Barabbas hat den Tod verdient ? und darf leben. Jesus hat das Leben verdient ? und muss sterben. Die beiden haben ihr Schicksal getauscht. Man kann sagen: So ist das manchmal im Leben. Die Gerechten kommen unter die Räder. Und die Lumpen kommen ungeschoren davon. Aber in der Geschichte von Jesus und Barabbas geht es um mehr. Jesus ist nicht nur das unschuldige Opfer, das Pilatus kreuzigen lässt, damit er die wütenden Juden zufriedenstellt. Und Barabbas hat nicht nur Glück gehabt, dass man ihn nicht hinrichtete. Jesus und Barabbas hat kein seltsamer Zufall zusammengeführt. Sondern da hatte auch Gott seine Hand im Spiel.

Sicher, es war eine furchtbare Gemeinheit, wie man mit Jesus umgegangen ist. Es war auch eine unglaubliche Ungerechtigkeit, dass Barabbas freikam. Doch Gott hat diese Geschichte einer unglaublichen Ungerechtigkeit dazu benutzt, um uns allen etwas Besonderes, ja Wunderbares klarzumachen: Jesus ist nicht nur anstelle des Barabbas gestorben, sondern für jeden Menschen, auch für dich und mich.

Du bist auch wie Barabbas. Vielleicht regst du dich über diesen Satz auf. Vielleicht sagst du: Ich bin doch kein Terrorist. Und erst recht kein Mörder. Ich habe noch niemanden etwas zuleide getan!

Bist du dir da so sicher? Frag dich doch einmal: Wie bin ich denn mit Gott umgegangen? War er für dich oft wie Luft? War er dir egal? Wolltest du so leben, wie du es selber für richtig hieltest und hast nicht nach dem gefragt, was Gott wollte? War er dir wichtiger als alles andere, dein Ein und Alles? Hast du ihm vertraut oder dir immer wieder Sorgen gemacht oder Gott für dein Schicksal angeklagt? Wie wichtig war dir sein Wort? Hast du es gerne gelesen, in der Bibel, und gern gehört, im Gottesdienst. Ich bin mir sicher: Auch du hast wie ich Gott immer wieder weh getan.

Und hast du wirklich nie einem Menschen etwas zuleide getan? Warst du nie ungeduldig, lieblos, egoistisch, nachtragend, neidisch, jähzornig, verbittert? Hast du nie jemand ausgenutzt und hast dabei nur an dein Wohl gedacht und nicht das des anderen? Ich bin mir sicher: Auch du hast wie ich anderen Menschen immer wieder weh getan, ob bewusst oder unbewusst, ob geplant oder nicht gewollt.

Auch du bist wie ich wie Barabbas. Und Jesus ist nicht nur anstelle von ihm gestorben, sondern auch für dich und mich.

Vielleicht hast du schon mal von Pater Maximilian Kolbe gehört. Der war als Gefangener in Auschwitz, in diesem furchtbaren Vernichtungslager, in dem die Nazis über eine Million Menschen umgebracht haben. Dort kämpfte jeder ums Überleben. Ein Gefangener verschwand, vermutlich geflohen. Der Führer des Häftlingslagers Fritsch tobte. Und er beschloss: 10 Gefangene für diesen einen sollten sterben. Es traf auch Gajowniczek, einen Vater von zwei Söhnen. Da sagte Kolbe zu Fritsch: Lassen Sie mich für ihn sterben. Ich bitte darum. Ich bin alt, der Mann ist jung. Ich bin alleine, der Mann hat Familie. Lassen Sie mich sterben.? Fritsch ließ sich tatsächlich auf diesen Tausch ein. Kolbe musste sterben. Gajowniczek lebte noch bis zum Jahr 1995.

So hat Jesus auch gehandelt. Er starb freiwillig für uns. Und tat dabei etwas, was Kolbe und kein anderer Mensch, konnte. Er trug alle unsere Schuld. Unvorstellbar für uns. Das konnte kein Mensch tun, sondern nur er als Sohn Gottes. Er machte aus Liebe zu uns die Hölle am Kreuz durch. Ja, Jesus war dort am Kreuz wirklich in der Hölle, damit wir nicht hineinkommen. Er stirbt, damit wir leben können. Da werden alle harmlosen Vorstellungen von einem "lieben Gott" zerstört. Gott nimmt uns ernst, auch mit unserer Sünde. Er drückt nicht einfach alle beiden Augen zu, als wäre nichts geschehen. Sondern Schuld muss gesühnt werden.

Doch weil Gott nicht will, dass wir die Strafe tragen, die wir verdient hätten, lässt er seinen Sohn sterben - aus Liebe zu uns. Seine Liebe war nicht billig, sondern kostete den höchsten Preis, Gottes eigenen Sohn. Das war so, als ob Gott selber für seine Geschöpfe stirbt.

Und nun stelle ich mir vor: Der Barabbas hat sich nach seiner Freilassung nicht irgendwo verkrochen. Sondern er hat sich mit dem Strom der neugierigen und johlenden Menschenmenge mittreiben lassen. So kam er wie sie nach draußen, vor die Tore Jerusalems. Und dort bekam er mit, wie die drei Männer gekreuzigt wurden. Die beiden links und rechts kannte er. Das waren seine beiden Freunde, die Terroristen, die zum Tode verurteilt und nun gekreuzigt wurden. Den in der Mitte kannte er nicht, außer von der kurzen Begegnung vor Pontius Pilatus. Da wird ihm direkt vor Augen geführt, was er vorher im Gerichtssaal nur hörte. Dieser Jesus hängt hier für mich. Er hat meinen Platz eingenommen.

Wenn das so war, wir wissen es wie gesagt nicht, dann hatte dieser Barabbas zwei Möglichkeiten. Entweder er glotzte den Gekreuzigten verständnislos und kopfschüttelnd an und begriff überhaupt nicht, was da geschah. Oder es ging ihm auf, dass da jemand aus einer unbegreiflichen Liebe heraus auch für ihn starb.

Seitdem Jesus am Kreuz starb, gibt es auch für uns zwei Möglichkeiten: Entweder unsere Schuld liegt auf dem Lamm Gottes, welches der Sünde trägt, auf Jesus Christus, oder sie liegt auf uns. Entweder wir gehören zu denen, die trotz des Kreuzestodes Jesu immer noch ihre Schuld und ihre Angst und ihre Sorgen mit sich herumschleppen, die vielleicht Sonntag für Sonntag den Gottesdienst besuchen, singen, das Glaubensbekenntnis mitsprechen und doch noch fern von Jesus sind.

Oder wir gehören zu denen, denen einmal mit Schrecken aufgegangen ist: "Eigentlich hätte ja ich damals am Kreuz hängen müssen. Meine Sünde hat den Sohn Gottes umgebracht. Ich hätte dort sterben müssen!"

Denen aber gleichzeitig der Trost aufgegangen ist, der vom Kreuz ausgeht, die gemerkt haben: "Diesem Jesus darf ich all den Müll meines Lebens aufladen. Er ist ja der große Lastenträger Gottes."

Du kannst tauschen, Weißt du das? Du kannst ihm deine Schuld geben, und er gibt dir seine Unschuld. Du kannst ihm deinen Dreck geben, und er gibt dir seine Reinheit. Du kannst ihm deine Angst geben, und er gibt dir seinen Mut. Du kannst ihm deine Sorgen geben, und er gibt dir seine Geborgenheit. Du kannst ihm die Kälte in deinem Herzen geben, und er gibt dir seine warme Liebe. Du kannst ihm deine tiefe Traurigkeit geben, und er gibt dir seine Freude. Du kannst ihm deine ganze Hoffnungslosigkeit über deine Lage geben und er gibt dir neue Hoffnung. Du kannst ihm deine Gefangenheit in deinen bösen Taten und das Verheddert Sein in Gedanken, die nicht loskriegst, und schenkt dir seine Freiheit. Du kannst ihm das Todesurteil Gottes über dein Leben geben und er gibt dir seine Gnade.

Es ist deine Entscheidung. Es ist deine Chance, zu Jesus zu kommen und ihm zu sagen, dass du tauschen willst.

Du hast nichts zu verlieren. Vielleicht ist hier jemand unter uns, der das alles nicht so recht verstanden hat. Vielleicht denkt er: ?Jesus ist für mich gestorben. Das verstehe ich nicht. Das ist mir fremd. Ich soll ihm meine Schuld geben und er gibt mir seine Vergebung? Wie soll das funktionieren?

Das, was Jesus am Kreuz getan hat, kann man auch gar nicht verstehen. Es ist und bleibt ein Geheimnis. Aber wir können es erfahren. Darauf kommt es an. Wir müssen zum Beispiel nicht verstehen, welche chemischen Prozesse dafür verantwortlich sind, dass Schokolade süß schmeckt. Vielleicht kann man es auch gar nicht verstehen. Aber wir können Schokolade essen. Dann werden wir es schmecken, dass sie süß ist.

So brauchen wir es auch nicht verstehen, warum Jesus für mich am Kreuz sterben musste. Aber wir dürfen es glauben und dann erfahren, dass es stimmt: Meine Schuld ist mir wirklich vergeben. Diese Erfahrung kann ich niemandem so recht erklären. Die muss er selber machen.

Stell dir mal einen Gefangenen vor. Der ist zur lebenslangen Haft verurteilt. Er kennt seine Gefängniszelle, jeden Quadratzentimeter. Der kennt die Gefängnisgänge, die Gefängnismauer und den Stacheldraht. Aber er weiß nicht, was Freiheit ist. Spricht das dagegen, dass es etwas wie Freiheit gibt? Nein. Wenn ihm jemand sagen würde: ?Du wirst entlassen. Du kommst raus. Du kannst in die Freiheit. Amnestie, Gnadenerlass.? Dann kann er natürlich antworten: ?Gibt?s nicht. Kann nicht sein. Glaub ich nicht. Ich bleib lieber hier. Wer weiß, ob das stimmt. Und wer weiß, wie das dann in der Freiheit wäre.? Kann er machen. Aber er wird dann nie erfahren, wie sich das anfühlt, frei zu sein, nicht mehr sein Leben im Gefängnis zu verbringen, sondern dorthin zu gehen, wo man will.

So mag auch dir der Weg vom Gefängnis der Schuld in die Freiheit fremd sein, vielleicht unglaublich. Aber es gibt ihn. Und du kannst ihn gehe. Glaube an Jesus, dass er dich frei macht, ja, dass deine Freiheit es schon seit 2000 Jahren langst gibt. Als er für dich am Kreuz starb, ist das geschehen.

Dein Leben wird heil, wenn du an den Gekreuzigten glaubst. Du kannst großen Kummer haben, du magst in tiefe Schuld gefallen sein, du magst an deine Sünden gefesselt sein und von ihnen nicht loskommen. Wenn du an Jesus glaubst, bist du davon frei. Jesus hat ja all das getragen, was dich belastet, du brauchst es also nur noch zu glauben, dass diese Lasten dich nicht mehr niederdrücken müssen.

Eine ältere Dame fuhr das erste Mal in ihrem Leben mit einem Aufzug. Links und rechts trug sie zwei schwere Taschen. Ein Mitfahrer sagte zu ihr freundlich: "Sie können ihre Taschen ruhig abstellen. Der Fahrstuhl trägt auch sie." Etwas beschämt aber doch dankbar stellt die Dame ihre Taschen ab.

Auch wir dürfen alle Lasten bei Jesus abstellen, alles Gepäck von Sünde, Sorgen, Ängsten, Schwierigkeiten. Er trägt alles für uns. Es ist ungeheuer tröstlich und befreiend, wenn ich es geglaubt und dann auch erfahren habe. Diesem Jesus darf ich alle Lasten meines Lebens aufladen.

Es ist das Größte im Leben, wenn ein Mensch begriffen hat, dass er vor Jesus "auspacken" darf, und dass er ihm vergibt und ihn auch verändert.

So wie jener junge Mann. An einem späten Abend kam er zu einem Pfarrer und bat ihn, er solle das Licht ausmachen: "Was ich Ihnen zu sagen habe, kann ich Ihnen wirklich nicht bei hellem Licht sagen, es ist furchtbar. Dann fragte er den Pfarrer im Dunkel, ob es eine Schande gibt in dieser Welt, vor der Jesus sich ekeln würde. Der Pfarrer sagte: "Er scheut sich vor keiner Schande. Er hat sie längst ertragen." Dann hat dieser junge Mann in der Dunkelheit seine Schuld bekannt. Er hätte sie nie einem sonst gesagt. Aber war überwältigt von dem, der ihn nicht verachtete, sondern auch seine Schuld getragen hatte, von Jesus Christus. Er hat begriffen: Wenn Jesus Christus dazu da ist, um mir mein Elend abzunehmen, dann soll er es haben, und zwar jetzt.

Das sind Sternstunden eines Lebens, wenn ein Mensch vor Jesus ein Sünder wird, der Vergebung und Frieden mit Gott empfängt. Sternstunden, die wir alle heute auch noch erleben dürfen, unter dem Wort seiner Vergebung, dann im Abendmahl oder auch, wenn er will, im Gespräch mit einem Seelsorger.

Amen

© 2020 Dieter Opitz