"Was Gottes Kraft alles schafft" - Kreuz & Quer vom 26.01.20, Römer 1,16

Liebe Gemeinde!

Paulus spricht hier von einer besonderen Kraft, der Kraft Gottes. Diese Kraft steckt im Evangelium, also der guten Nachricht von Jesus Christus. Ja, das Evangelium ist eine Kraft Gottes, sagt Paulus.

Wir kennen den Begriff der "Kraft" von der Physik. Man versteht darunter die Einwirkung auf einen anderen Körper. Diese Einwirkung kann einen Körper beschleunigen, verändern, verformen oder gar zerstören. Es gibt körperliche Kräfte. Die kann man trainieren. Viele junge Männer machen dies auch zum Bespiel in Fitnessstudios. Der stärkste Mann der Welt schafft es zum Beispiel ein Flugzeug in nur 44 Sekunden 25 Meter zu ziehen. Leider ist er so muskulös, dass er in kein Auto mehr passt - und sogar kaum noch in seine Badewanne, und er kann durch Türen nur noch seitwärts laufen.

Dann gibt es geistig-seelische Kräfte eines Menschen wie das Durchhaltevermögen in Extremsituationen oder die Überzeugungskraft, also die Fähigkeit andere in ihrer Meinung beeinflussen oder verändern zu können.

Schließlich gibt es Kräfte, von denen viele Menschen keine Ahnung haben, an die sie auch nicht glauben, die es aber trotzdem gibt. Es gibt Kräfte, die einen Menschen zum Guten und auch zum Bösen hin beeinflussen, die letztlich darauf abzielen, ihn und andere zu zerstören und zwar Körper, Seele und Geist.

Es gibt eben nicht nur eine sichtbare, sondern auch eine unsichtbare Welt, die uns umgibt. Es gibt unsichtbare Kräfte, die uns beeinflussen, gute und eben auch böse. Alle Grausamkeiten und bestialische Taten, zu denen Menschen fähig sind, kann ich nicht nur psychologisch erklären. Um das Böse im Menschen zu verstehen, muss ich auch den Bösen, den Teufel, in Betracht ziehen.

Psychologen und Mediziner bemühen sich redlich, solche Phänomene wie Süchte oder übermäßige Aggressivität durch organische Ursachen oder äußere Ereignisse zu erklären. Und das ist auch gut so. Der Mensch besteht ja aus Körper und Seele und wird auch beeinflusst durch Erziehung oder andere Menschen und prägende Ereignisse in seinem Leben. Aber er ist eben auch Geist, durch den die unsichtbare Wirklichkeit Gottes und des Teufels Zugang zu einem hat. Deswegen hat Luther recht, wenn er sagt, dass der Mensch einem Reittier zu vergleichen ist. Entweder reitet mich Gott oder der Teufel. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.

Wir wollen nun während dieses Gottesdienstes von einem Mann hören, der beide Wirklichkeiten, die Macht des Teufels und später die Macht Gottes kennengelernt hat. Er heißt Wilhelm Buntz und hat in seinem Leben fast 150 Straftaten verübt. Durch ihn kamen sogar 2 Menschen zu Tode. Später wurde er Christ. Wir hören und sehen den ersten Teil eines Interviews mit ihm, in dem er von seinem Leben ohne Gott erzählt.)

(Video 0.35 bis 9.41)

Wilhelm Buntz hatte im Gefängnis nun viel Zeit, Zeit, die er zum Rauchen nutzte. Den Tabak rollte er in die Seiten einer Bibel ein. Aber vorher las das, was er rauchte, zunächst ohne Wirkung, aber dann packte und veränderte ihn das Wort Gottes.

Wilhelm Buntz las die Bibel. Dieses Buch scheint bei vielen Menschen „out“ zu sein, außer Mode geraten zu sein. Viele meinen, sie sei nur etwas für verschrobene, weltfremde Menschen, die mit ihren Problemen nicht zurechtkommen. Und die Botschaft der Kirche sei nur ein schwächlicher Trost, der nicht ernst zunehmen ist.

Aber Paulus redet hier von einer Kraft, von einer Kraft Gottes, die uns angeboten wird. Es ist ihm ungeheuer wichtig, dass er seine Botschaft so bezeichnet. Er weiß, leere Worte helfen einem nicht, sondern nur Worte, hinter denen eine Kraft steht. Wir alle brauchen unendlich viele innere und äußere Kräfte, um unser Leben recht meistern zu können. Wir alle kommen auch einmal an die Grenzen unserer Kraft. Wir sind manchmal müde und kraftlos.

Jemand erzählt: Das erste Mal beim Geräteturnen musste er Klimmzüge machen. Er hat sie nicht geschafft. Da hat er sich mehr Kraft gewünscht.

Auch im geistig - seelischen Bereich fehlt oft die Kraft zum Durchhalten. In der Schule kann einem die Kraft zum Lernen fehlen, auch im Betrieb kann einer die Sache satthaben. Am liebsten würde er alles hinschmeißen und seufzt: „Ich kann nicht mehr!“

Schließlich im geistlichen Bereich, wo es um das Verhältnis zu Gott geht, kann man sich nach Kraft sehnen: Es fehlt die Kraft zum Glauben, die Kraft der Sünde zu widerstehen. Immer wieder begeht man die gleichen Fehler.

Da ist es doch wunderbar, dass hier in unserem Bibelwort aus dem Römerbrief nicht Kraft gefordert, sondern Kraft geschenkt wird. Kraft von oben, göttliche Kraft wird dir angeboten. Sie steckt in einem unscheinbaren Buch, der Bibel. Kraft kann man nicht sehen, auch die nicht, die vom Wort Gottes ausgeht. Aber man kann sie erfahren. Man kann sie spüren.

So erging es auch Wilhelm Buntz, von dem ich vorhin erzählt habe.

Wir sehen den 2. Teil des Interviews. Video 9.42 - 18.15)

Lied: Was Gott verspricht, das geschieht

So erfuhr Wilhelm Buntz, die Wahrheit des Bibelwortes: Gott ist treu und gerecht, wenn wir unsere Sünden bekennen. Er erlebte, wie wir es eben in dem Lied gehört haben: "Was Gott verspricht, das geschieht. Was er verheißt, das tritt ein. Alles wird anders, wenn du ihm vertraust. Alles wird anders, wenn du dein Leben auf ihn baust." Und es wurde ihn durch dieses Erlebnis bestätigt: Gott hat mir tatsächlich meine Sünden vergeben.

Auch dieser Mann erfuhr: Gott stellt sich radikal zu seinem Wort, der Bibel, und wenn wir darin lesen, stellt er sich auch radikal zu uns. Wer darin liest, wird verwandelt, wird ein anderer Mensch, denn Gott redet darin, und wo Gott redet, da geschieht etwas. Gottes Wort kann uns mitten in Schuld, in Angst, ja Sterbensangst, Not und Schmerzen trösten. Auf einmal bist du nicht mehr allein. Gott ist dir wunderbar nahe.

Das ist nun eine gute Nachricht, auf griechisch Evangelium. So nennt Paulus seine Botschaft. Es macht selig, so übersetzt es Martin Luther. Das heißt wörtlich übersetzt: Es rettet ihn. Es rettet einen Menschen vor dem ewigen Verlorensein.

Das Evangelium von Jesus verspricht uns: Alle Schuld kann vergeben werden, weil einer am Kreuz all unsere Schuld auf sich genommen hat. Wir können von allen bösen, zerstörerischen Mächten gerettet werden, weil einer am Kreuz sich hat kaputt machen lassen. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Wer an Jesus glaubt, der hat das ewige Leben. Selbst wenn er stirbt, kommt er zu Gott. Gott sieht uns als Gerettete an, wenn wir glauben, das Rettungswerk Jesu in Anspruch nehmen.

Das Evangelium ist die einmaligste und atemberaubendste Botschaft der Welt. Es ist die Liebeserklärung Gottes an diese Welt, seine Lovestory. Er ist zwar einerseits der heilige Gott, der gerecht ist und die Sünde straft. Aber er kümmert sich gleichzeitig in unendlicher Liebe um seine Geschöpfe wie ein Vater um seine Kinder. Er will nicht, dass auch nur eines von ihnen verlorengeht, sondern dass sie zu ihm zurückfinden. Deshalb ist er uns in Jesus ganz nahegekommen, ist er Mensch geworden. Jesus Christus ist für unsere Sünde am gestorben. Er hat den Weg zu Gott, der durch unsere Sünde verbaut war, wieder freigemacht.

Gott ruft uns durch das Evangelium zu sich, damit wir nicht verlorene Söhne und Töchter sind und bleiben, sondern seine Kinder werden, die er in sein Reich aufnehmen kann.

Deshalb kann ich jedem von Ihnen den dringenden Rat geben: Nimm die Bibel in die Hand! Lies in ihr täglich! Lies von dieser ungeheueren Liebe Gottes zu dir! Das wird deiner Seele guttun.

Täglich seine Bibellese zu halten, ist eine Art geistliches Fitnessprogramm. Es ist nicht von Schaden, wenn man seinem Körper etwas Gutes gönnt durch regelmäßige Bewegung. Regelmäßiges Training kann dabei wahre Wunder bewirken, auch wenn es nur wenige Minuten am Tag sind.

Auch deiner Seele tut es gut, wenn du sie bewegen lässt durchs Wort Gottes. Du wirst merken, dass dir dabei Kraft zuströmt, - von einer anderen Welt.

Sicher entstehen beim Bibellesen auch Fragen. Die Bibel ist nicht immer einfach zu verstehen. Wer noch nie Fragen über die Bibel hatte, hat sie noch nie richtig gelesen. Aber es lohnt sich, dann nicht locker zu lassen, sondern Gott um Antwort zu bitten oder gemeinsam mit anderen Christen danach zu suchen.

Lest die Heilige Schrift und glaubt Gott einfach aufs Wort. Er ist da, für euch da, mit seinem Frieden, seiner Vergebung, seiner Liebe, seiner Kraft. Glaubt ihm das! Wer Gott bei seinem Wort nimmt, der geht nie leer aus, der bekommt immer etwas geschenkt.

Wer eine Tablette im Vertrauen auf das Wort seines Arztes einnimmt, der wird ihre Wirkung erfahren. Und wer das Wort Gottes vertrauensvoll in sich hereinlässt, wird auch seine Wirkkraft spüren. Er wird die Erfahrung machen, dass Gott wirklich uns aus Schuld und Einsamkeit rettet.

Paulus schämt sich nicht, an dieses Evangelium zu glauben. Sondern er gibt es an andere Menschen weiter, so oft und so gut er es kann. Wegen dieses Glaubens an das Evangelium müssen wir uns auch nicht schämen. Auch ein Wilhelm Buntz tat dies nicht. Wo er Gelegenheit dazu fand, wo er zu Vorträgen eingeladen wurde, da erzählt er von dem, was er mit dem Evangelium von Jesus Christus erlebt hat.

Wir sehen und hören, wie es ihm nach seiner Entlassung ergangen ist.

(Video 18.15. bis 25.37)

Heute ist Wilhelm Buntz, soweit es an ihm liegt, mit den Menschen versöhnt, denen er etwas angetan hatte. Er ist schuldenfrei. Der Großteil der 1,2 Millionen D-Mark wurde ihm von seinen Gläubigern erlassen. Es findet, wie wir gehört haben, sogar Versöhnung mit seinem Vater und seiner Stiefmutter statt, mit dem Vater, der vor Gericht um die Todesstrafe für seinen missratenen Sohn gebeten hatte und der Stiefmutter, die einmal zu ihm gesagt hatte: "Es wäre besser gewesen, du wärest damals im Straßengraben gestorben."

Einmal predigte er in einem Gefängnis. Nachher kam ein Gefangener auf ihn zu und sagte: "Ich habe dir in die Augen geschaut. Früher waren sie eiskalt und mausetot. Aber wenn ich dir heute in die Augen sehe, dann sind sie lebendig. Ich glaube, es lohnt sich tatsächlich, mal darüber nachzudenken, was du eben gesagt hast."

Wir müssen nicht predigen, müssen keine Vorträge halten. Du musst auch nicht jedem alles erzählen, was du mit Jesus erlebt hast. Aber sei nicht zu feige, dich zu deinem Glauben zu bekennen, wenn es darauf ankommt, wie etwa, wenn man sich über Jesus lustig macht oder darüber spottet. Dann oute dich als Christ. Bekenne dich zu Jesus. Dann wirst du erfahren, dass er sich auch zu dir bekennt.



Amen

Gottes Worte haben eine lebensverändernde Kraft. So hat es Wilhelm Buntz erlebt. So können wir es erleben. "Es sind Worte zum Leben, für jeden Tag neue. Worte aus Gottes Hand, sie machen frei." Das ist der Refrain des nächsten Liedes.

© 2019 Dieter Opitz